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★ Tomoffel, Kartoffeltomate oder TomTato® – im eigenen Garten anbauen ★

Es geht um eine Wiederentdeckung. Ein revolutionärer Durchbruch in der Gemüsezucht ist die Tomoffel, auch TomTato®, Kartoffeltomate oder Tomtoffel genannt. Gleich wie die Bezeichnung auch sein mag. Diese Pflanzen-Neuheit, begeistert zurzeit erneut die Gartenfans. Insbesondere weil es sich um eine sehr platzsparende Variante handelt, denn mit der Tomoffel lassen sich gleichzeitig Tomaten und Kartoffeln auf kleinstem Raum anbauen.

Cool, oder? Was es mit dieser Hybridpflanze auf sich hat und vieles mehr erfahren Sie in diesem Beitrag. Bleiben Sie dran…


Was ist eine Tomoffel – nur eine Frage der Veredelung?

Ja, die Tomoffel entsteht durch Veredlung. Sie vereint Kartoffeln und Tomaten in einer Pflanze. Während unter der Erde an den Wurzeln die Kartoffeln (sehr gut mit der Kartoffelsorte „Bamberger Hörnchen“) gedeihen, wachsen überirdisch die Triebe einer Tomatenpflanze (meist Kirsch- oder Cherrytomaten) heran.

Sie werden jetzt vielleicht staunen, wird doch grundsätzlich davon abgeraten, Kartoffeln und Tomaten nebeneinander zu pflanzen. Hier jedoch kommt den Pflanzen ihre Verwandtschaft – die Familie der Nachtschattengewächse – zugute. Während beide als Nachtschattengewächs im Beet um die Nährstoffe konkurrieren, lassen sie sich optimal veredeln.
Das hat überhaupt nichts mit Gentechnik o. ä. zu tun. Vielmehr wird auf einen Kartoffelpflanze eine Tomatenpflanze von Hand aufgepfropft. Richtig ausgeführt, werden die beiden Pflanzen dadurch miteinander verwachsen.

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Und wer hat’s erfunden?

Nein, dieses Mal nicht die Schweizer. 😉

Die Pflanze hat der deutsche Biologe Georg Melchers erfunden. Bereits in den 70er Jahren entwickelte er eine Methode zur Verschmelzung von Pflanzenzellen (Fusion von Protoplasten). Ziel war, Hybride nahe verwandter Arten herstellen zu lassen. 1973 dann der Durchbruch. Es gelang die Aufzucht der ersten Hybridpflanzen aus fusionierten Protoplasten. Damit erzeugte er in Zusammenarbeit mit dem Carlsberg-Laboratorium in Kopenhagen die ersten Hybride von Kartoffel und Tomate.

Vermutlich inspiriert von dem Roman „Die Powenzbande“ (Ernst Penzoldt), in der die noch fiktive Tomoffel erstmalig erwähnt wurde, gab er dieser Züchtung eben diesen Namen.

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Tomoffeln anbauen – leicht gemacht

Im April und Mai gibt es Kartoffeltomaten-Pflanzen im Gartenfachhandel und in Online-Shops zu kaufen. Viel mehr Spaß macht es natürlich, die Veredelung selbst vorzunehmen – dazu später mehr.

Sofern Sie die Hybridpflanze im Kübel ziehen wollen, sollten Sie einen Kartoffel-Pflanztopf verwenden. Zumindest sollten Sie die neugekaufte Pflanze in einen größeren Topf oder Kübel mit einem Durchmesser von etwa 50 bis 60 Zentimetern umsetzen. Pflanzen Sie die Tomoffel so ein, dass die Veredelungsstelle über der Erde liegt und gießen Sie die Pflanze nach dem Einsetzen gut an. Den Pflanzenboden mag sie sehr gerne feucht.

Ebenso lässt sich die Tomoffel auch ins Freiland setzen. Die Tomoffel kann ab April bis Juni gepflanzt werden. Da Tomaten sehr frostempfindlich sind, sollten Sie mit dem auspflanzen warten, bis wirklich kein Nachtfrost mehr zu erwarten ist.

Dann gilt es, den Boden vorher mit Kompost anzureichern, etwa 50 Zentimeter Abstand zu anderen Gemüsearten einzuhalten und die Pflanze nach dem Einsetzen durchdringend zu gießen.

Die Tomoffel benötigt einen warmen und sonnigen Platz. Ein sonniger Standort schafft die idealen Bedingungen für das Gedeihen der Tomoffel. Wenn Sie auf möglichst hohe Erträge abzielen, sollten Sie den Standort nicht zu schattig wählen. Halbschatten wird toleriert.

Sie können die Tomoffel auch im Gewächshaus kultivieren.

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Pflanzen mit optimaler Unterstützung

Nachdem Sie sich für einen möglichst sonnigen Standort entschieden haben, können Sie das Pflanzloch ausheben. Als Richtwert sollte dies etwa in doppelter Breite und Tiefe des Wurzelballens geschehen.

Idealerweise reichern Sie vorhandene Substrat mit Kompost oder Hornspänen an. Vor der Pflanzung bietet es sich an, die Pflanzen zu wässern. Einfach die Tomoffel in einen Wassereimer tauchen bis keine Blasen mehr aufsteigen – das ist schon alles.

Günstige Bedingungen schaffen Sie, wenn die Pflanze in handelsübliche Tomatenerde gesetzt wird. Darin sind alle wichtigen Nährstoffe enthalten, die sowohl die Tomaten als auch die Kartoffeln gedeihen lassen. Versorgen Sie die Tomoffel nach der Pflanzung mit einem Schuss Tomatendünger, sie wird es Ihnen danken.

Tipp: Ein nährstoffreicher, feuchter und durchlässiger Boden bietet den Treibstoff für kräftiges Wachstum. Zu schwerer Boden wird durch die Beigabe von Kies oder grobem Sand sehr viel durchlässiger.

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Gute Pflege – guter Ertrag

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass eine gut gepflegte Pflanze mit Wohlfühlfaktor wesentlich mehr Ertrag liefern kann als eine Pflanze, die ums Überleben kämpft.

Deshalb gilt es, besonders während der Trockenperioden Ihre Tomoffel ausreichend zu gießen. Achten Sie unbedingt darauf, die Tomoffel nur von unten zu gießen. Die Blätter sollten möglichst nicht benetzt werden und trocken bleiben. Achtung: Auf jeden Fall Staunässe vermeiden – es sei denn, Sie wollen den Pflanzen den Garaus machen.

Sehr gut eignet sich auch die Tröpfchenbewässerung. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag: Tröpfchenbewässerung – mit System den Garten bewässern.

Sobald sich die ersten Rispen der Tomaten entwickeln, sollten Sie die Pflanze mit Pflanzenjauche oder einem organischen, kaliumreichen Dünger versorgen. Geeignet sind auch Kartoffel-, Tomaten- und Gemüsedünger. Zusätzlich können Sie dem Substrat reifen Kompost als natürlichen Dünger untermischen.

Bilden sich die ersten Tomatenrispen, sollten Sie die Tomoffel an einem Stab befestigen oder eine andere Stütze als Hilfestellung anbieten. Die Früchte würden die Ranken ansonsten nach unten ziehen – und das wollen Sie sicher nicht.

Auch das Ausgeizen wird Ihnen nicht erspart bleiben. Störende Seitentriebe müssen, genauso wie bei normalen Tomaten, entfernt werden. Ansonsten würden diese der Pflanze unnötig Kraft rauben. Wenn die „Abteilung Tomaten“ etwa sechs Rispen ausgebildet hat, können Sie die Spitze des Hauptstammes kappen. Damit fördern Sie die Bildung aromatischer Tomaten.

Die „untere Abteilung“ will ebenfalls gepflegt werden. So bildet die Kartoffelunterlage mitunter eigenes Laub aus, das Sie dicht am Boden entfernen sollten. Die sich entwickelnden Kartoffelknollen reifen dann voll aus, wenn sie stets mit frischer Erde bedeckt bleiben.

Endlich Erntezeit

Erste reife Tomaten zeigen sich ab Ende Juli, sobald sie eine tiefrote Farbe angenommen haben. Der weitere Nachreifevorgang der geernteten Rispen kann im Haus (auf der Fensterbank) erfolgen.

Sobald die Tomatenernte beendet ist, sollten Sie die Pflanzentriebe zurückschneiden. Und dann auf die Kartoffeln warten.

Die Kartoffeln sind erntereif, wenn sich das Kartoffelkraut im Herbst (September bis Oktober) verfärbt. Am leichtesten ernten Sie diese wie gewohnt mit einer Grabegabel.

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Im DIY-Verfahren vermehren und veredeln

Wie bereits erwähnt, macht es viel mehr Spaß, die Pflanzen selbst zu veredeln. Und bei Erfolg motiviert dies zu weiteren Aktivitäten.

Und es lohnt sich: Die veredelte Tomoffel bringt nämlich 30 bis 40 Prozent mehr Ertrag als eine nicht veredelte Pflanze.

Für die Veredelung benötigen Sie gar nicht viel Zubehör. Sie brauchen lediglich ein paar Pflanztöpfe, Gartenerde, ein scharfes, sauberes Messer und ein paar Wäscheklammern.

Hinzu kommt ein wenig Experemtierfreudigkeit, um die besten Kombinationen der verschiedenen Kartoffel- und Tomatensorten herauszufinden. Sofern Sie eine Abkürzung suchen. Sehr gute Ergebnisse erzielen Sie mit der Kartoffel-Sorte „Bamberger Hörnchen“ sowie den Tomatensorten „Dasha“, „Solana“ oder „Piccolino“.

Veredeln Step-by-Step

👉 Legen Sie die vorgekeimten Saatkartoffeln im April oder Mai einfach flach in mit Erde gefüllte Töpfe.

👉Warten Sie ungefähr 14 Tage ab. Dann sollten aus den Knollen kräftige Pflanzen gewachsen sein.

👉 Schon geht es ans Veredeln:

Beginnen Sie mit der Kartoffel. Setzen Sie einen leicht schrägen, sauberen Schnitt etwa drei bis vier Zentimeter über dem Wurzelballen. Falls die Kartoffel mehrere Triebe hat, schneiden Sie bis auf einen alle anderen Triebe ab.

Bei der Tomate ist der Eingriff etwas spannender. Sie benötigen ein Teilstück aus der Mitte der Pflanzen. Als Teilsteckling eignen sich die Stückchen mit Blattansatz. Besonders geeignet sind die Stellen mit einem schlafenden Auge, aus dem sich später ein Geiztrieb bilden wird. Schneiden Sie die Sprossachse kurz darüber und darunter ab.

An dieser Stelle kommt etwas sehr Wichtiges:

✔ die Triebe von Kartoffel und Tomate sollten etwa gleich stark sein und

✔ die Schnittwinkel an den Stellen, an denen die beiden miteinander verbunden werden, sollten gut aufeinanderpassen.

Für ein gutes Ergebnis müssen die Schnittstellen wirklich genau aufeinander abgestimmt sein.

Übrigens: Die Kopfstecklinge, also die die oberen Teile der Pflanze, eignen sich nicht zum Veredeln. Sie sind meistens zu dünn. Dafür kann man diese aber in ein mit Wasser gefülltes Glas stellen und warten, bis sich neue Wurzeln bilden. Aus dem Kopfsteckling wird so wieder eine Tomatenpflanze.

👉 Als nächsten Schritt gilt es, die Schnittstellen mit einer einfachen Wäscheklammer oder einer Veredelungsklammer miteinander zu verbinden und zu fixieren.

👉 Und Prost! Das Angießen ist auch schon der letzte Schritt der Veredelung.

Nach diesem kleinen chirurgischen Eingriff braucht der Patient etwas Zeit zur Erholung und etwas Schutz, damit die Triebe gut zusammenwachsen können. An einem nicht zugigen Ort, auf einer Blumen- oder der Fensterbank, mit einer Glashaube oder einer Folienabdeckung versehen, macht der Rekonvaleszent dann gute Fortschritte.

Falls neue Kartoffeltriebe nachwachsen, diese gleich wegschneiden. Ab Mitte Mai, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind und die Pflanze kräftig genug ist, kann die Tomoffel oder Kartoffeltomate in einen großen Kübel oder ins Freiland gepflanzt werden.

Quelle: Youtube – Veredeln von Tomaten auf Kartoffel

So einfach geht’s – Tomoffel, Kartoffeltomate oder TomTato® im eigenen Garten anbauen. Viel Erfolg!

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